Balkan 2008

13.05.12

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Autotour um die Balkanhalbinsel 2008

Die Fahrt beginnt mit einem Abstecher nach Salzburg. Die schöne Stadt an der Salzach ist gerade voll mit exzentrischen Festspielgästen und Touristen. Trotzdem können wir den kurzen Aufenthalt genießen und spazieren durch die Gassen.
Am Abend geht es nach Obertauern, wo wir an einem Pfad abseits der Straße im Auto übernachten.
Des Morgens kommen Bauarbeiter, die unsere Anwesenheit wohl nicht stört. Zügig packen wir ein und fahren los, um alle mautpflichtigen Strecken herum, geht es auf kurvigen Bergstrecken durch atemberaubende Landschaften. Ich kann nun auch den Wurzenpaß und den Vrsic Paß unter die Räder nehmen, beide durfte ich bei meiner letzten Fahrt zur Adria nicht nutzen.
Es gelingt uns, die neuerdings teuren slowenischen Autobahnen zu umfahren und das Land schnell hinter uns zu lassen. Auch in Kroatien fahren wir zügig – jedenfalls versuchen wir es, denn die Straßen sind ziemlich voll. Plätze, die zur Rast einladen, gibt es eher wenige. Bekanntermaßen ist die Adriaküste sehr felsig und die wenigen Zugänge zum Meer meist in privater Hand oder mitten in den Ortschaften. Überfüllt ist es überall – warum zum Teufel machen so viele Leute hier Badeurlaub? Durch Zufall finden wir gegen Abend doch noch eine nette Badebucht, in der sich schon einige andere Touristen niedergelassen haben. Eigentlich wäre es auch ein toller Platz zum Übernachten gewesen, doch ist es wohl nicht ruhig genug und das Auto müßte weit weg an der Straße stehen bleiben.
Nach dem erfrischenden Bad fahren wir weiter ins Landesinnere, wo es deutlich zurückgebliebener aussieht als an der Küste. Kriegsbeschädigungen an den Häusern sind noch allgegenwärtig und die tollen Asphaltstraßen, die an der Küste längst Standard sind, werden hier erst noch gebaut – lange Abschnitte sind deshalb Schotterpisten, es staubt wahnsinnig.
Ständig kommen uns Busse von den Plitvicer Seen entgegen – dort soll es auch einen Campingplatz geben, doch wird dieser nicht günstig sein, da er mitten in einem Touristenmagnet liegt. Wir entscheiden uns für einen Platz an einem Waldstück abseits eines kleinen Rastplatzes. Die Nacht im Zelt ist angenehm und wird nur selten durch lärmende Lastwagen unterbrochen.

Nachtplatz in Kroatien Morgens in Bihac

Am nächsten Morgen haben wir es nicht mehr weit bis zur bosnischen Grenze. Während ich bei meinem letzten Aufenthalt an der Grenze noch durch ein regelrechtes Gewühle von Soldaten aus ganz Europa fuhr, erreichen wir nun einen ruhigen Übergang wie es hunderte andere gibt. Nach kurzer Durchsicht von Pässen, Zulassungsschein und Grüner Karte dürfen wir diesen auch schnell passieren. Kurz hinter der Grenze liegt Bihac, auf dem Parkplatz parke ich neben einem Auto aus Kiel. Die Welt ist eben klein und Europa ein Dorf.
Zu dieser frühen Morgenstunde ist die Stadt noch ruhig, alles ist sauber und ordentlich, und obgleich noch viel gebaut wird, kann sich der Ort wirklich sehen lassen.  Weiter geht es durch die schöne Gegend in Richtung Sarajewo. Mancherorts ist die Gegend voller Löcher, die wie kleine Bombentrichter aussehen. Ob es wirklich welche sind?

Ein zweiteiliges Land  

Der schöne Ort Jajce wird ganz offensichtlich gerade vom Fremdenverkehr wiederentdeckt. Direkt neben dem Ortszentrum ist ein großer Wasserfall, in der pittoresken Altstadt reihen sich die Cafés.
Als wir das Auto versehentlich direkt vor dem Polizeirevier abstellen wollen, kommt ein Beamter und bittet uns höflich ein paar Meter weiter. Dort nimmt sich ein netter Parkplatzwächter unseres Gefährts an, als wir wiederkommen lehnt er am Auto – so kommt es wenigstens ganz sicher nicht weg – es sei denn jemand klaut es dem Herrn wortwörtlich unter dem Arsch weg.

   

 Bevor wir Sarajewo erreichen müssen wir noch einige Berge überqueren, stehen in einer Baustelle bei Backofentemperaturen über eine Stunde im Stau, weil es an einer engen Stelle fürchterlich gekracht hatte. Kurz vor der Stadt beginnt eine nagelneue Autobahn, die jedoch nur kurz Freude bereitet – kurz darauf stecken wir wieder im Gewühle. Erst im Stadtgebiet lockert es sich auf und wir fahren durch graue Vorstädte nach Sarajewo hinein. Riesige Ruinen, an die ich mich erinnere, stehen nicht mehr, die Innenstadt ist bunt und belebt. Wir stellen das Auto vor einem Tourismusbüro auf den Bürgersteig und bestellen ein günstiges Zimmer. Wenig später kommt ein alter Mann um uns abzuholen. Mit seinem uralten Renault heizt er wie ein Wahnsinniger durch die engen Straßen, daß ich ernsthafte Schwierigkeiten habe ihm zu folgen. Nachdem wir das Zimmer bezogen haben, wird der Benz im Garten eines anderen Hauses abgestellt, das auch zu Unterkunft gehört.

Sarajewo strahlt keinen Nachkriegsschauder mehr aus und hat sich zu einer netten Stadt mit einer boomenden Cafékultur entwickelt. Keine Spur mehr von trister Stimmung, es ist eine lebendige und bunte Stadt geworden, auch Soldaten sieht man glücklicherweise kaum noch. Auch die zerstörte Nationalbibliothek ist kein Haufen mehr, sie ist nun begehbar. Leider scheinen die Aufbauarbeiten sehr schleppend zu laufen.
Sarajewo ist ein Treffpunkt der Kulturen, während man in der Altstadt orientalische Souvenirs kaufen kann und die Moschee eine Zentrale Rolle im Ortsbild einnimmt, fühlt man sich ein paar Meter weiter wie in einer südeuropäischen Stadt. Ein toller Ort in vielerlei Hinsicht! Schade nur, daß es immer noch so viele unbegründete Vorurteile gibt. Auch in den Nachbarländern werden wir später gefragt, ob in Bosnien auf uns geschossen wurde. Dabei ist es ein so schönes Reiseland geworden, das noch auf große Besucherzahlen wartet. 

Nationalbibliothek
Im Herzen der Altstadt Holiday Inn - bekannt, da es seinen Betrieb zu Kriegszeiten aufrecht erhielt

Die Straße nach Mostar führt durch wunderschöne Landschaft. Sie führt durch eine tolle Bergkulisse, vorbei an einem Stausee, an dem es sogar einen Campingplatz zu geben scheint. Besonders eindrucksvoll ist der Wechsel von der saftig grünen Berglandschaft zur eher grauen Steinlandschaft, wie sie für die küstennahen Gebiete der Adria typisch ist. Obgleich Mostar in den Bergen liegt, gehört die Stadt zu den heißesten Orten des gesamten Balkans. Sommertemperaturen von fast 40° sind keine Seltenheit. Im Krieg war sie hart umkämpft, die Frontlinie verlief mitten durch die Stadt. Bekannt ist Mostar für die Stari Most, die alte Brücke, die mittlerweile wieder aufgebaut wurde und in deren Umkreis sich ein kleines Touristenzentrum entwickelt hat. Einen super Blick über die ganze Gegend hat man vom Minarett einer der Moscheen – viele darf man besichtigen.
Nach ausgiebigem Essen in der Pinte einer älteren Dame fahren wir zur kroatischen Grenze bei Doljani, wo wir nach Kroatien durchgewunken werden und nehmen die Küstenstraße in Richtung Süden.

Eigentlich hatten wir einen Abend in Dubrovnik angedacht, doch vergeht uns im Gewühle schnell die Lust. Irgendwo südlich der Stadt erkundigen wir uns nach den örtlichen Zimmerpreisen, die uns schier vom Hocker hauen. Wir fahren weiter und erreichen in der Dunkelheit einen Campingplatz. Der Kellner des Restaurants nebenan meint, daß wir unser Zelt doch irgendwo aufbauen sollen, die Rezeption sei längst geschlossen. Zwischen den Camping Dickschiffen finden wir einen Platz, ich baue das Zelt auf, ohne die Heringe in den steinharten Boden einzuschlagen und gehe erstmal ins Meer. Beim späteren Duschen steht eine Putzfrau vor der Kabine und tappt mit dem Fuß.
Spät nachts wird es plötzlich sehr laut – ein Dieselmotor, eine schimpfende Spanierin. Wir haben unser Zelt auf dem Parkplatz für ihren Bus aufgeschlagen. Zum Glück können Spanier meist nicht gut Englisch und die Gute gibt die Diskussion bald auf. Na dann gute Nacht. Als wir aufstehen ist außer uns ohnehin nur eine Rockergruppe wach. Auch die Rezeption schläft offensichtlich noch. Wir könnte warten, bis uns jemand unser Geld abnimmt oder... [...] ... hmmm..... nach kurzer Zeit stehen wir bereits am Grenzübergang nach Montenegro, den wir schnell hinter uns haben und genießen am Strand von Herceg Novi unser Frühstück aus dem Supermarkt.

Die Landschaft ist herrlich und wir umfahren Südeuropas längsten Fjord bei Kotor, in dem es kleine Klosterinseln gibt. Dieser kleine Ort ist eine Attraktion. Unzählige kleine Gassen wollen entdeckt werden und über dem Ort thront eine kleine Festung.
Nach ausgiebigem Spaziergang und einige Cafés später geht es weiter. Wir freuen uns auf die angeblichen Sandstrände Montenegros. Leider sind auch diese entweder felsig, dreckig, privat oder brechend voll. So treibt es uns am gleichen Tag weiter nach Albanien. 

Auf montenegrinischer Seite werden die Papiere genau studiert und an einer eigenen Haltelinie steht ein Polizist mit Klemmbrett, der die Fahrzeugdaten notiert – es wird seinen Grund haben. In Albanien soll es viele Autos geben, die von ihren Eigentümern im Ausland vermißt werden. Das Niemandsland ist so holprig, daß ich nur mit Schrittempo und Zickzack durchkomme. Die albanischen Grenzer sind korrekt, kassieren wie es im Reiseführer steht und stempeln auch Steffis Paß, obwohl sie zwei Baracken weiter im Auto sitzt.
Schon sind wir in Albanien, das Land, das gern als gefährlich bezeichnet wird. Aber eigentlich weiß keiner etwas darüber. Es hat etwas von einem vergessenen Fleckchen Erde. Lange Zeit lebten die Menschen unter einem schlimmen Regime, dem die Bonzen in Moskau und Pjöngjang nicht kommunistisch genug waren. Total heruntergewirtschaftet stürzte es sich nach dem Untergang des Regimes ins Chaos. Mal sehen, was uns hier erwartet. Die deutlichste Hinterlassenschaft des Regimes sind die unzähligen Bunker, die es im ganzen Land gibt. Angeblich soll auf vier Einwohner ein Bunker kommen. Jeder albanische Mann sollte in der Lage sein, sein Vaterland im Ernstfall zu verteidigen. Der Konstrukteur mußte mit seinem Leben für deren Festigkeit bürgen. Er wurde in einen Bunker gesetzt, während dieser unter Beschuß genommen wurde.

Zuerst müssen wir uns den Weg durch Viehherden bahnen, kommen durch kleine Dörfer. An einer Straßenecke wirft sich ein Zigeunerjunge an unser Auto, hält sich daran fest. Ich fahre weiter und er läßt los. Kurz darauf fahren wir über eine Brücke, sie ist ein Stahlgestell mit lockeren, verbogenen Platten.
Schnell erreichen wir Shkoder, wo uns nach kurzer Zeit ein Polizist anhält. Er studiert meinen Führerschein, versucht mir etwas zu erklären und holt seinen Quittungsblock raus. Wenn er Geld will, ist er bei mir falsch. Ich erzähle ihm ein paar nette Dinge auf deutsch, die er wohl genausowenig versteht wie meinen Führerschein. Plötzlich sagt er „Han i Hotit? Crna Gora?“ „Jaja, ich Crna Gora, Montenegro ist ganz toll!“ Daraufhin darf ich weiterfahren. Wie wir später sehen, war ich falsch durch eine Einbahnstraße gefahren. Daß wir gerade aus Montenegro kamen und nicht dort hinwollten, braucht unser Kumpel vom Trachtenverein ja nicht zu wissen.

Wir mieten uns in einem netten Hotel ein. Das Zimmer kostet 40€ und ist einfach klasse. Top ausgestattet, klimatisiert und nagelneu. Abends schlendern wir durch den Ort. Die meisten Cafés sind nur von Männern bevölkert, der Burek-Mann hat nur zwei Sorten seiner Burek-Vielfalt auf Lager. Dafür schmeckt es umso besser. Die Stadt hat auch sehr schöne Seiten – zum Beispiel die großen Restaurants, die für albanische Verhältnisse wohl sündhaft teuer sind. Alle Ladenbesitzer können nicht gut Englisch, sind aber sehr freundlich und haben Geduld mit uns. Langsam beginnt dieses Land uns zu gefallen, vielleicht weil die Zustände etwas ans heißgeliebte Südostasien erinnern.

Am nächsten Morgen nehmen wir die neue Straße in Richtung Tirana. Die Fahrt ist so angenehm wie bisher nur in Bosnien. Gute Straße, wenig Verkehr und nette Aussicht. Tirana ist schnell erreicht.

Am Morgen hatte ein junger Albaner, ebenfalls Gast in unserem Hotel, der länger in England gelebt hatte, noch von Tirana gewarnt. Der Verkehr könnte sehr dicht und sehr problematisch sein. Anfangs bekomme ich bei dem Chaos aus hupenden Autos, die sich über die Ansammlung an Schlaglöchern quälen, ziemliche Angst um mein Auto, doch nach kurzer Eingewöhnung macht die Fahrt sogar Spaß. Wir haben schließlich genug Zeit. Tirana reißt uns nicht wirklich vom Hocker. Die Stadt ist trist, staubig und heiß. Viel zu sehen gibt es auch nicht. Aber für einen kleinen Abstecher ist sie optimal. Der Lonely Planet empfiehlt übrigens das günstige Nachtleben von Tirana. Also – auf auf ihr Partypeople!

Nachdem wir uns aus dem Blechsalat herausgebissen haben, fahren wir schon die ersten Berge hinauf. Über kurvige aber gute Bergstraßen geht es durch die albanischen Berge. Übrigens eine der schönsten Berglandschaften, die ich je gesehen habe. Leider ist Umweltbewußtsein den Albanern wohl unbekannt. Überall wird der Müll entsorgt, an manchen Stellen stinkt es unerträglich. An der Landschaft kann man sich aber kaum sattsehen.


Viele Kurven später kommen wir in Elbasan an. Am Stadtrand gibt es viele Industrieanlagen. Leider liegt nahezu alles brach und rottet vor sich hin. Opfer des Umschwungs. Die Stadt erscheint ideal für eine Kaffeepause, das war’s aber auch schon.
Über einen Bergrücken geht es zum Ohridsee. Sobald wir den See erreicht haben, sehen wir uns nach einem Zeltplatz um, doch neben dem einzig netten Platz am Ufer stehen bereits türkische Lastwagen. Neben einer einheimischen Familie kochen wir uns Abendessen. Ein paar Kilometer weiter finden wir zur großen Überraschung einen kleinen Campingplatz direkt am See! Im Grunde ist es nur ein (sauberer) Platz und ein spartanisches Badezimmerhaus. Aber genau so stelle ich mir den idealen Campingplatz vor! Immerhin gibt es hier alles was man braucht und nichts, was man nicht mag. Ein französisches Ehepaar ist mit seinem Wohnwagen schon da. Sie ist 80, er 88. Seit Jahrzehnten sind sie mit Ihrem über 40 Jahre alten Hänger in Europa unterwegs. Sie scheinen sich darüber zu freuen, einmal wieder halbwegs flüssig kommunizieren zu können – sie sprechen keine Fremdsprachen – und lassen uns am Ende kaum ins Bett. Besonders meine Erzählungen von der Autoreise nach Rußland interessieren den Reisesenior sehr. Seiner Frau ist es zu gefährlich – meine positiven Berichte geben ihm Auftrieb.
Die Straßen von Pogradec, der letzten albanischen Stadt, sind ein einziges Schlagloch, kurz darauf sehen wir die schönsten Strände der Reise. Sauber und ruhig, in einer schönen Umgebung. Der Grenzübertritt läuft auf albanischer Seite wieder sehr lax – Steffis Paß wird zwar aufmerksam durchgeblättert, doch sitzt sie wieder verborgen im Auto. Am nächsten Schalter zahle ich die albanische Kfz Gebühr und kurz darauf erreichen wir den mazedonischen Posten, der verglichen mit den albanischen Baracken wie eine kleine Festung wirkt. Der Grenzer bittet uns, doch 5m zurückzufahren, setzt sich dann umständlich eine Baseballcap und läuft dann mehrfach zwischen seinem Häuschen und dem Auto hin und her. Hätte er uns nicht zurückgeschickt, hätte er es sich sparen können. Der Mann vom Zoll läßt uns erst warten, dann guckt er kurz in den Kofferraum und läßt uns fahren.

Die Stadt Ohrid ist ein Touristenzentrum, doch wirkt sie nicht verdorben und wie bleiben ein paar Stunden. Später fahren wir weiter. Die Fahrt durch Mazedonien ist nicht sonderlich angenehm. Hin und wieder haben wir Orientierungsprobleme, die kurvigen Straßen führen teilweise durch etwas eintönige Landschaft, die Orte sind nicht sonderlich einladend.
Gegen Abend kaufen wir in einem Dorfladen ein. Die gewünschten Bierflaschen bekommen wir nicht, statt dessen will der Inhaber uns Dosen verkaufen. Warum auch immer er sich weigert uns die Flaschen zu verkaufen – schlußendlich nehmen wir eben die Dosen, die sogar ein klein wenig günstiger sind.

Im Osten des Landes löst eine grüne Berglandschaft die verdörrten Wiesen ab. Abseits der Straße finden wir einen Platz für die Nacht an einem Bach. Ein holpriger Pfad führt hinab. Leider werden wir sobald es dämmert von Mückenschwärmen umschwirrt. Nachdem der zweite Straßenköter vor unserem Zelt geknurrt hat, legen wir uns ins Auto. Bereits im Zelt war es wahnsinnig heiß, im schlechter belüfteten Auto ist es noch kuscheliger. Mitten in der Nacht muß Steffi raus und erstarrt förmlich vor Schreck... da waren Augen!!! Anstatt daß sie sich über die Häschen und Füchschen freut, die es hier noch zu geben scheint...
Den nächsten Morgen kriege ich das Auto kaum wieder auf die Straße. Nur mit Anlauf komme ich den Berg hoch. Wie durch ein Wunder bleibt der Unterboden heil. 

An der bulgarischen Grenze müssen wir trotz EU an sechs Schaltern vorsprechen. Nachdem Pässe begutachtet, der rätselhafte USB-Stick, den ich am ersten Schalter bekam, wieder abgegeben und die Vignette ins Fenster geklebt ist, werden wir eingelassen.
Nach dem Frühstück im schönen Blagoevgrad fahren wir zum Rila Kloster, später geht es über kleine Bergstraßen weiter nach Plovdiv, wo uns Svetlana erwartet. Sie hat uns ein Zimmer direkt über der Fußgängerzone organisiert. Der einzige Nachteil daran ist, daß es für alle Zimmer der Etage nur ein Bad gibt, in dem praktischer weise auch gleich die Toilette untergebracht ist. Durchfall wäre das denkbar Schlechteste, was einem passieren könnte.

Rila Kloster Plovdiv


Wir sehen uns gemeinsam die Stadt an, auch wenn sich vieles geändert hat, erkenne ich sehr viele Dinge wieder. Wir machen auch einen Ausflug ins Umland und ziehen abends um die Häuser. Leider läuft unsere Reisezeit schon ab und wir müssen uns schon nach kurzer Zeit auf den Heimweg machen.
Zügig geht es zum Grenzübergang Vrshka Chuka. Der Hauptübergang bei Sofia war wegen seiner Überlastung sogar schon in den Nachrichten. Auch hier am abgelegenen Kontrollpunkt brauchen wir über zwei Stunden bis wir drüben sind. Die Bulgaren halten wieder mit ihrem Vielschalter- und USB-Stick-System den Verkehr auf, auf serbischer Seite wird sinnlos in unseren Sachen rumgewühlt. Alle Dinge, die nicht gerade obenauf liegen, wird der Clown mit Epauletten niemals finden.

Und- tschüß...

Die serbischen Straßen sind ziemlich gut, die Landschaft ebenso angenehm und bald erreichen wir die Autobahn. Die meisten Autos haben deutsche Kennzeichen und kommen wahrscheinlich gerade aus der Türkei. Vor einer Mautstelle bei Belgrad stehen wir noch mal geschlagene zwei Stunden. Damit ist der Abendspaziergang durch die Stadt wohl endgültig ins Wasser gefallen, da es mittlerweile finstere Nacht ist. Wir fahren eine kleine Runde durch die Innenstadt um dann unseren Weg Richtung Norden fortzusetzen, bis die Müdigkeit zu stark wird und wir einen Parkplatz anfahren, auf dem wir bis 6 Uhr eine erholsame Nacht verbringen.

Die Grenze ist nicht mehr weit, leider ist der Stau kilometerlang. Zuerst kommen penetrante Bettler, dann Leute, die Obst direkt vom Feld neben der Straße verkaufen. Es geht schleppend voran, für die gleiche dämliche Kontrolle wie bei der Einreise, müssen wir diesmal fast fünf Stunden warten. Nach der Grenze übernimmt Steffi das Steuer, während ich sofort einschlafe und erst kurz vor Györ wieder aufwache. Steffi ist ziemlich genervt, so langweilige Strecken wie diese ungarische Autobahn, ist sie noch nie gefahren... also für meinen Schlaf war die Einöde gut... Durch Österreich geht es zügig nach Hause und unsere Marathonfahrt ist zu Ende. Die lange Fahrt hat uns beiden im Grunde nichts ausgemacht, doch waren die langen Wartezeiten ein echtes Ärgernis.

 

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Stand: 13.05.12